Kies- und Sandbänke

In einem Fliessgewässer wirken zahlreiche dynamische Kräfte, so auch Sedimentation - die Auflandung von Geschiebe - und Erosion - das Abtragen von Boden. Aus diesen Prozessen entstehen in einer Aue Kies- sowie Sandbänke und werden wieder abgetragen. Geschiebebänke und Inseln existieren also nicht ewig, sondern sind ständig im Werden und Vergehen begriffen.

Gerade deshalb stellen Kies- und Sandbänke wertvolle Lebensräume für eine interessante Pflanzenwelt dar: auf den rohen Sand- oder Schotterböden krallen sich angewehte Samen, erste Schösslinge und angeschwemmte Pflanzen fest, versuchen auszutreiben, zu wurzeln und zu wachsen. Nur den Kräftigsten gelingt dies, die anderen spült das nächste Hochwasser wieder davon.

Kiesbänke liegen bei Niedrigwasser an der Luft und können recht trocken sein, werden aber oft überflutet. Entstanden sind sie durch Ablagerung von Geschiebe, das beim nächsten Hochwasser auch wieder fortgeschwemmt werden kann. Eine trocken gefallene Kiesbank ist zuerst vegetationslos, aber Pionierarten (Rohrglanzgras, Knöterich-Arten) können sich aufgrund von nährstoffreichen Ablagerungen des Hochwassers rasch ansiedeln. Auf die ersten Siedler folgen rasch andere Pflanzen und Tiere. Es gibt eine Abfolge (= Sukzession) vom vegetationslosen Zustand über Pionierpflanzen bis zum Weidengebüsch. Zwischendurch kann ein Hochwasser den Entwicklungsprozess wegen der mechanischen Bearbeitung durch mitgeführte Steine zurückwerfen.

Gewisse Insekten wie die blauflüglige Sandschrecke sind auf vegetationslose Sand- und Kies- flächen angewiesen und fühlen sich auf der Kiesbank daher wohl. Auch einige Vogelarten, wie zum Beispiel der Flussuferläufer und der Flussregenpfeifer bevorzugen die schlecht bewachsenen Kiesbänke als Brutort. Für andere Wasservögel sind sie ein geeigneter Rastplatz. Die Wasseramsel und die Gebirgsstelze suchen von hier ihre Beutetiere.